the long distance howl art under net conditions: worldwide Von Martin Krusche Ich bin Osvaldo Puccio Huidobro nur ein paar Mal begegnet. Er ist wenige Jahre älter als ich und liebt die Gedichte von Neruda. Ich vermute, er schätzt den Wein seiner Heimat ebenso. Als Chilene stammt Osvaldo aus einem Land, dessen Größe sich Österreicher schwer ausmalen können. Zu dieser gewaltigen räumlichen Dimension kommt noch eine andere. Es heißt, Osvaldo sei in der Moneda gewesen, als die Soldaten kamen, um Allende zu holen. Die Konsequenzen waren für den damals jungen Studenten grausam. Aber davon hat er mir nicht erzählt. Er hat von endlosen Strecken gesprochen. Von langen Fahrten. Um auch in ganz entlegenen Dörfern Chiles, auch mit ganz wenigen Menschen über den Lauf der Dinge zu sprechen. Als er Gleisdorf einmal besuchte, bekräftigte er die Notwendigkeit, die weiten Strecken zu gehen und diese Diskurse nie aufzugeben. Wir denken oft nicht daran, was für eine mühsame Sache es ist, sich eine Meinung bilden zu können. Und wir denken nicht gerne daran, daß an manchen Orten Menschen mit ihrem Leib und ihrem Herzen für eine Meinung einstehen müssen. Die Tortur ist von dieser Erde noch nicht verbannt. Ich bin ein Mann unter günstigen Bedingungen. Denn in meinem Land droht mir kein Soldat und kein Kommissar. Ich habe eine Flasche Cabernet Sauvignon aus Chile vor mir. Und dies ist the long distance howl.